Grundwasserneubildung im Mittelgebirge

Die Mittelgebirge sind häufig charakterisiert durch relativ hohe Niederschlagsraten, geringe potenzielle Verdunstungsraten und gering durchlässige Festgesteine. Dementsprechend ist bei gleicher Flächennutzung die reale Verdunstung relativ gering und der Direktabfluss außerordentlich hoch.

Auch die Grundwasserneubildungsrate ist mit häufig über 250 mm/a recht hoch. Da der Grundwasserleiter über dem Festgestein (Auflockerungszone mit geringmächtiger Quartärüberdeckung) sehr geringmächtig ist und die Hänge steil sind, strömt das Grundwasser in relativ kurzer Zeit in die Vorfluter. Der Grundwasserleiter fällt daher im Sommer insbesondere im Bereich der Kuppenlagen trocken. Im Beispiel ergeben sich für das 5,6 km² große Einzugsgebiet mit überwiegender Waldnutzung folgende Wasserhaushaltsgrößen:

Beispielgebiet in der Nähe von Winterberg

Niederschlagsrate: 1.306 mm/a
Pot. Verdunstungsrate: 446 mm/a
Reale Verdunstungsrate: 502 mm/a
Gesamtabflussrate: 804 mm/a
Direktabflussrate: 560 mm/a
GW-Neubildungsrate: 244 mm/a

Aufgrund der beschriebenen hydrogeologischen Situation beschränkt sich die Grundwasserneubildung auf die Monate September bis April und der Grundwasserleiter fällt nach erfolgter Grundwasserneubildung sehr schnell trocken.

Wasserhaushaltsgröße im Jahresverlauf (oben) und gemessener grundwasserbürtiger Abfluss nach Natermann (unten) für zwei zugehörige Abflusspegel